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Saturday, October 13, 2012

Wie klingt es? Teil 2 - How Does It Sound? Part 2

Hi!

Dear english speaking readers. Due to popular demand I will translate some posts of the past to german. The language of the blog will remain english.


Wie verspochen hier die Übersetzung des 2. Teils von 'Wie klingt es?':


Hallo!

Im ersten Teil von 'Wie klingt es?' habe ich schon beschrieben, was ich unter gutem Klang verstehe. Kürzlich gab es einige Diskussionen in Internetforen über den Klang gewisser Bauteile oder Aspekte eines Verstärkers. An manchen dieser Diskussionen war ich beteiligt. Ich werde auch oft direkt gefragt wie eine bestimmte Röhre oder ein gewisses Schlatungsdetail klingt. Daher dachte ich, es wäre mal wieder an der Zeit einen Blog-Beitrag zu dem Thema zu schreiben.

Bei Verstärkern wird am häufigsten nach den klanglichen Eigenschaften der Ausgangsröhre gefragt. Man möchte wissen, wie eine bestimmte Röhre im Vergleich zu anderen klingt. Verständlich, da die Ausgangsröhre das offensichtlichste technische Merkmal eines Röhrenverstärkers darstellt. Oft wählen Selbstbauer ein Verstärkerprojekt nach der Leistungsröhre aus.

Leider gibt es jedoch auf die Frage nach dem Klang eines bestimmten Röhrentyps keine allgemein gültige Antwort. Meinungen zum Klang einer 2A3 z.B. gibt es viele. Fragt man auf einem Internetforum nach dem Klang einer bestimmten Röhre, wird man viele unterschiedliche Antworten bekommen, von denen sich einige sogar widersprechen.

Es ist unter Röhrenfreunden ein beliebter Sport sogenannte 'shootouts', Vergleichsduelle ziwschen verschiedenen Verstärkern, zu arrangieren um die Frage nach der bestklingenden Röhre zu beantworten. Es werden verschiedene Verstärker zusammengetragen, z.B. mit 211, 300B, El34, 2A3 oder 45 als Endröhren. Die werden dann nacheinander angeschlossen und gegeneinader gehört. Da sollte man doch herausarbeiten können welchen Klangcharakter jede dieser Röhren hat, oder nicht? Leider ist das nicht ganz so einfach. Es ist immer der ganze Verstärker, den man vergleicht, nicht nur die Endröhre. Erschwerend kommt noch hinzu, dass unterschiedliche Verstärker anders mit dem gleichen Lautsprecher interagieren. Auch das Zusammenspiel mit der Vorstufe hat einen Einfluss auf das klangliche Ergebnis. Was in einer Kette gut funktioniert, klingt in einer anderen womöglich sehr anders.

Man bräuchte also Verstärker, die weitgehend identisch sind, bis auf die Endröhre. Gleiche Treiberstufe, gleiches Netzteil und natürlich die gleiche Schaltungsart. Alle diese Aspekte sind meist sehr unterschiedlich bei verschiedenen Verstärkern. Aber nehmen wir mal an, wir haben zwei Verstärker die weitgehend gleich sind, nur mit anderen Endröhren bestückt. Tatsächlich habe ich solche Vergleiche schon gemacht z.B. zwei Eintakterstärker mit der gleichen übertragergekoppelten Treiberstufe, gleiche Treiberröhre und gleicher Zwischenübertrager. Bis auf die Spannungen, welche für die einzelnen Röhren angepasst wurden gleiche Netzteile, sowie gleiche Kondensatortypen. In beiden Fällen Röhrengleichrichtung mit TV-Damper-Röhren und Drosseleingangsfilter. Sogar gleiche Netztrafos, die nur mittels der Wahl der Anzapfungen für die jeweilig erforderliche Spannung verdrahtet wurden.

Das ist doch nun ein guter Test und alles das verglichen wird sind nur noch die unterschiedlichen Endröhren, oder? Weitgehend ja, aber selbst bei solch einem Vergleichstest spielen noch andere Faktoren eine Rolle. Die Röhren haben unterschiedliche Innenwiderstände und erfordern unterschiedliche Lastimpedanzen. Der in diesem Fall benutzte Ausgangsübertrager (Tango XE20S) hat Abgriffe, um ihn auf verschiedene Impedanzen einzustellen. Dies geht aber nur in groben Schritten, so dass die beiden Verstärker unterschiedliche Ausgangsimpedanzen (Dämpfungsfaktoren) haben. Einige Lautsprecher reagieren relativ empfindlich darauf, andere weniger. Dies hat also durchaus auch einen Einfluss auf den Klang. Dabei ist das kein qualitativer Aspekt des Verstärkers. Manche Lautsprecher klingen mit niedrigerem Dämpfunksfaktor besser, andere brauchen einen hohen.

Das Zusammenspiel mit der Treiberstufe spielt auch eine Rolle. Die unterschiedlichen Endröhren benötigen unterschiedlich grosse Gitterspannungen zum Durchsteuern. Sie haben unterschiedliche Eingangskapazitäten und verhalten sich in Bezug auf Gitterstrom anders. Mit einer Röhre mag die Treiberstufe ideal harmonieren, während sie mit der anderen eher mehr gestresst wird.

Am offensichtlichsten ist die unterschiedliche, maximal erreichbare Ausgangsleistung. Im Falle der 6CB5A und 45 liegen diese um den Faktor 4 auseinander! Der Verstärker mit der höheren Leistung wird mit einem breiteren Spektrum an Lautsprechern einsetzbar sein. Aber nehmen wir an es wird ein Lautsprecher verwendet, der einen genügend hohen Wirkungsgrad hat, so dass auch der schwächere Verstärker, mit der 45, nie an seine Leistungsgrenze kommt. Dann benötigen beide Verstärker immer noch unterschiedliche Eingangsspannungen um die selbe Abhörlautstärke zu erzielen. Natürlich würde man bei einem Vergleich sicherstellen, dass die gleiche Lautstärke eingepegelt wird. Das heisst aber, dass die Verstärker mit unterschiedlichen Stellungen des Lautstärkereglers an der Vorstufe gehört werden. Viele Vorstufen klingen auf unterschiedlichen Positionen des Lautstärkerstellers anders. Insbesondere Lautstärkepotentiometer können recht inkonsistent klingen, ja nach Stellung. Je nach Ausgangsspannung kann sich auch das Verzerrungsspektrum der Vorstufe ändern. Es werden also nicht nur 2 Endröhren verglichen, sondern auch der Klang der Vorstufe mit unterschiedlichen Lautstärkestellungen.

All das klingt jetzt ziemlich extrem und es scheint, dass solche Hörvergleiche nutzlos sind. Das will ich damit nicht sagen. Es ist wichtig, dass man sich bewusst macht, welche Änderungen man gegeneinander vergleicht und keine voreiligen Schlüsse zieht. Solche Tests sind selbstverständlich nützlich, kennt man die verwendete Vorstufe und Lautsprecher und wie diese auf Ihre Umgebung reagiern, so kann solch ein Test sehr nützliche Erkenntnisse bringen.

Worauf viele sicher gewartet haben: Welche Röhre war denn nun bei besagtem Vergleich besser? Mein Favorit ist die 45.

Vergleichstests, bei denen man nicht dabei war, oder über die im Internet berichtet wird, sollte man also mit der entsprechenden Vorsicht geniessen. Es ist wichtig, dass der Vergleichsaufbau bekannt war, welche Geräte verwendet wurden und wie der Vergleich durchgeführt wurde. Sonst sind Aussagen wie 'die 300B hat schöne Mitten aber einen unkontrollierten Bass, während die EL34 eher steril aber mit straffem Bass spielt'  ziemlich nutzlos.

Vor Kurzem wurde in einem Internetforum gefragt ob es besser sei in einem Vertsärker getrennte Netzteile pro Kanal zu haben, oder ob es mehr Sinn macht das Netzteil zwischen Treiberstufe und Endstufe zu separieren, aber gemeinsam für beide Kanäle auszulegen. Zunächst eine sinnvolle Frage. Jedoch gibt es viele unterschedliche Arten, wie ein Netzteil implementiert werden kann. Auch bei einem gemeinsamen Netzteil können die beiden Kanäle mittels geeigneter Massnahmen gegeneinander entkoppelt werden, oder aber nicht. Auch spielt die zu versorgende Schaltung eine wichtige Rolle. Viele solcher Aspekte haben einen viel größeren Einfluss als die einfache Frage, ob die Netzteile getrennt sind oder nicht. Genauso gut könnte man Fragen, welche Reifen die Besten für viertürige Autos sind. Nun, es kommt darauf an!

Oft mag es etwas frustrierend sein, wenn man mir solche Fragen stellt und die Antwort ist, es kommt darauf an, oder ich stelle Gegenfragen um die Antwort präzisieren zu können. Oft ist sowas nunmal nicht einfach zu beantworten. Es gibt keine guten Antworten zu solchen allgemeinen Fragen, weil es in diesem Fall keine gute Frage ist. Ich mag keine schlechten Antworten geben, deshalb bemühe ich mich bei solchen Fragen, dass diese präzisiert werden, oder gebe lieber keine Antwort statt einer schlechten. Das kann manchmal arrogant rüber kommen, ist aber wirklich nicht so gemeint.

Ich hoffe dieser Artikel konnte etwas erläutern, warum ich mich mit Klangbeschreibungen eher zurückhalte. Meine Einschätzung könnte für andere Umgebungen nicht gelten und ist letztlich immer von meinen subjektiven Vorlieben geprägt. Viele sind auf der Suche nach einfachen und allgemein gültigen Antworten nach der Frage wie man guten Klang bekommt. Wenn es nur so einfach wäre. Der einzige Weg ist selbst hören und verschiedene Dinge ausprobieren. So baut man Erfahrungen auf, wie diverse Komponenten auf Ihre Umgebung reagieren und was gut zusammen harmoniert. So kann man auch ein intuitives Gespür entwickeln um den für einen selbst richtigen Pfad durch den verwirrenden Dschungel verschiedener Röhren, Übertrager, Kondensatoren und Schaltungsarten zu finden.

Viele Grüße

Thomas


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